Vom richtigen Üben 

In diesem Artikel möchte ich kurz einige Gedanken zum richtigen Üben weitergeben.
Weshalb gibt es Top-Musiker, die behaupten, nie zu üben und andere, die täglich ein bis zwei Stunden üben und trotzdem keinen grünen Zweig erreichen?
In einem Bericht übers Üben las ich den Satz: Üben ist der Übergang vom Wissen zum Tun. Wenn ich mir diesen Satz genau betrachte, so setzt er voraus, dass ich ja schon weiss. Und genau hier liegt der springende Punkt oder der Unterschied vom Profi zum motivierten Anfänger, der  aufpassen muss, dass er seine Motivation nicht in Frust umwandelt.

Heute weiss man, dass unser Gehirn nur Neues speichern kann, wenn ein Verbindungspunkt zu bestehendem Wissen vorhanden ist. Einen neuen abstrakten Begriff, der uns nichts sagt, ist fast nicht zu speichern. Wir müssen erst eine Verbindung schaffen, damit dieser neue Begriff in unserem Gehirn gespeichert wird und später auch wieder abgerufen werden kann.
Dazu kommt, dass unser Gehirn vorwiegend Dinge speichert, die es für richtig empfindet. Dinge, die wir zum vornherein schon als falsch empfinden, werden nur schwerlich gespeichert.

Wenn wir diese Erkenntnis auf unser tägliches Üben mit unserem Instrument anwenden, so zeigt es uns den Weg zum richtigen Üben.  

Übe ich ein neues Stück, so schaue ich es mir zuerst ohne Instrument genau an. In welcher Taktart ist es geschrieben? In welcher Tonart ist es geschrieben? Ich gehe die Noten Takt für Takt durch und schaue, ob ich etwas mir schon Bekanntes finde, sei es in der Melodieform oder der Rhythmik. Schüler beweisen mir immer wieder, dass selbst Anfänger schon Verbindungen zu bestehendem Wissen finden.
Als zweiten Schritt versuche ich, das Stück in kleine zusammenhängende Teile aufzugliedern.
Das ist schon ein bisschen schwerer und bedarf ein wenig der Übung. Dein Musiklehrer wird dir dabei gerne behilflich sein. Erst jetzt beginne ich, die zuvor gebildeten Tonsequenzen auf meinem Instrument zu spielen. Erst langsam, dann etwas schneller, bis ich das gewünschte Tempo erreicht habe. Übe in kleinen Intervallen und beende so ein Intervall fehlerfrei. Wie schon erwähnt, unser Hirn will keine Fehler speichern. Gehen die gewollten Takte nicht fehlerfrei, so spielst du sie vielleicht noch zu schnell. Probiere es langsamer. Es geht immer noch nicht? Probiere es   n o c h   l a n g s a m e r,  oder überlege dir, ob du vielleicht an der Technik etwas ändern musst. Jetzt geht es. Nun kannst du langsam das Tempo steigern.

Noch etwas zu der Dauer des Übens. Übe regelmässig. Jeden Tag 20 Minuten Üben bringt dir mehr als nur am Sonntag 5 Stunden Üben.

Abschliessend komme ich nochmals zu unserem Top-Musiker zurück, der behauptet nie zu üben. Natürlich ist diese Aussage Unsinn. Kein Mensch kann eine Tätigkeit auf höchstem Niveau ausführen, ohne zu üben. Dieser Musiker betrachtet das Ganze aus einem anderen Blickwinkel. Wenn er Musik macht, dann spielt er oder er jammt. Er betrachtet es nicht als Üben, und genau das ist vielleicht der Punkt, weshalb er gut wurde. Von James Galway, dem berühmten Flötisten, las ich den Satz: «Seit ich Kind bin, spiele ich Flöte und übe den ganzen Tag.» Dieser gestandene Welt-Musiker erachtet das, was der vorhergehende Musiker als Jammen abtat, als ÜBEN.

Ramona Welti
Dirigentin


 

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